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Kurzvortrag von Bernd Zikeli am 21.07.2016

 

Die vier Phasen des Lebens: Geburt, Alter, Krankheit und Tod

 

Fragen: Gibt es einen Grund für Alter und Tod in ihren heiligen Schriften?

Steht in ihren heiligen Schriften eine Lösung für Alter und Tod geschrieben?

 

Die materielle Welt wurde von Krischna für diejenigen Seelen geschaffen, die unabhängig von ihm genießen wollen und selbst „Herr“ sein wollen. Die Seelen, die stets in Krischnas Dienst beschäftigt sind, erfahren aufgrund ihres spirituellen Bewusstseins weit weniger Leiden, als Seelen, die die materielle Natur für ihre egoistischen Zwecke ausbeuten wollen. In Krischnas transzendentalem Reich sind nicht nur Krischnas Körper, sondern auch die spirituellen Körper der einzelnen Seelen ewig jung und frisch und nicht dem materiellen Zeitfaktor unterworfen. In den materiellen Universen sind die Seelen den vierfachen Leiden Geburt, Krankheit, Alter und Tod unterworfen. Wirtschaftlicher Erfolg und hochentwickelte materielle Wissenschaft können diese vier Leiden nur sehr bedingt lindern oder gar abschaffen. Durch die Verehrung von Halbgöttern, die einem materielle Segnungen gewähren, wie z.B. im nächsten Leben auf materielle himmlische Planeten erhoben zu werden, kann man seine materielle Situation verbessern. Krischna sagt hierzu im Bhagavad-gita 2.42f:

 

Menschen mit geringem Wissen hängen sehr an den blumenreichen Worten der Vedas, die ihnen verschiedene fruchtbringende Tätigkeiten zur Erhebung zu himmlischen Planeten empfehlen, wo eine gute Geburt, Macht und so fort auf sie warten. Da sie nach Sinnenbefriedigung und einem Leben in Hülle und Fülle begehren, sagen sie, es gebe nichts, was darüber hinausgehe.“

 

Alter und Tod gibt es in der materiellen Welt, weil die Seelen gutes, neutrales oder schlechtes Karma ansammeln und dies auch in bestimmten Körpern abgelten müssen. Tötet jemand absichtlich eine Kuh, so muss er im nächsten Leben selbst zur Kuh werden und abgeschlachtet werden. Denkt ein Mann ständig nur an Frauen und daran, wie schön es wäre selbst eine Frau zu sein, so wird er im nächsten Leben eine Frau.

Im 8. Kapitel des 5 Cantos des Bhagavata Purana wird die Geschichte eines Königs Bharata erzählt, der das materielle Leben aufgab und sich der Selbstverwirklichung widmete, in dem er zurückgezogen im Wald über den Höchsten Herrn meditierte. Während seinen Meditationen kam ihm aber ein verlassenes junges Reh zugelaufen. Er fing aus Mitleid an, sich um das junge Reh zu kümmern und zu sorgen und richtete dadurch sein Bewusstsein immer stärker auf es, bis er sogar zum Zeitpunkt des Todes in Sorge an das Reh dachte. So wurde er im nächsten Leben selbst zu einem Reh (Bhagavata Purana 5.8.27). Krischna sagt hierzu im Bhagavad-gita 8.6:

 

Den Seinszustand, an den man sich beim Verlassen seines Körpers erinnert, wird man ohne Zweifel erreichen.“

 

Doch da der ehemalige König sich in seinem Rehkörper noch an die spirituellen Praktiken seines letzten Lebens erinnerte und an diesem Bewusstsein bis zum Tode festhielt, konnte er im nächsten Körper in einer Brahmanenfamilie wiedergeboren werden, und den spirituellen Pfad weiter beschreiten, um Vollkommenheit zu erlangen. Er wurde somit zu einem Weisen, wie er von Krischna in dem folgenden Vers beschrieben wird (Bhagavad-gita 2.51):

 

Die Weisen, die im hingebungsvollen Dienst tätig sind, suchen Zuflucht beim Herrn und befreien sich aus dem Kreislauf von Geburt und Tod, indem sie den Früchten des Handelns in der materiellen Welt entsagen. Auf diese Weise können sie jenen Ort erreichen, der jenseits aller Leiden liegt.“

 

Alter und Tod, wie sie in dem folgenden Vers (Bhagavad-gita 2.22) beschrieben werden, existieren nicht ohne Grund:

 

Wie ein Mensch alte Kleider ablegt und neue anlegt, so gibt die Seele alt und unbrauchbar gewordene Körper auf und nimmt neue an.“

 

Hohes Alter oder das langsame Unbrauchbarwerden des Körpers manifestiert sich, je nach Einzelperson, unterschiedlich, da manche das Karma haben, bis zu ihrem Tod gesund und leistungsfähig zu sein, während andere schon in mittlerem Alter stark unter Schwäche und Gebrächlichkeit des Körpers leiden. Alter und Tod gibt es also, da sie karmisch bedingt sind und jedes noch so gute Karma irgendwann aufgebraucht ist und das schlechte Karma einen zum nächsten, vielleicht tierischen Körper bringt. Gutes Karma kann einen zu den höheren himmlischen Planeten erheben, auf denen man gesunde und sehr langlebige Körper bekommen kann, die einem viel Sinnenbefriedigung ermöglichen. Doch auch das beste Karma ist irgendwann aufgebraucht und man muss von den himmlischen Planeten wieder auf die Erde herab kommen, um wieder gutes Karma zu erschaffen. Dieser Kreislauf von Geburten und Toden in verschiedenen pflanzlichen, tierischen oder menschlichen Lebensformen kann durch hingebungsvollen Dienst zu Krischna durchbrochen werden, denn eine reine Seele, die sich auf der Stufe des reinen hingebungsvollen Dienstes zu Krischna befindet, gelangt in das transzendentale Reich Krischnas, in dem es keine wiederholten Geburten und Tode mehr gibt:

 

Intelligente Menschen, die nach Befreiung von Alter und Tod streben, suchen bei Mir im hingebungsvollen Dienst Zuflucht. Sie sind wahrhaft Brahman [(spiritueller Natur)], da sie alles über transzendentale und fruchtbringende Tätigkeiten wissen.“ (Bhagavad-gita 7.29)

 

Man kann aber auch schon in den materiellen Körpern dieser Welt transzendentales Glück erfahren, unabhängig von Alter, Krankheit und Tod:

 

Wenn das verkörperte Wesen fähig ist, diese drei Erscheinungsweisen [aus denen die materielle Welt besteht] zu transzendieren, kann es von Geburt, Tod, Alter und den damit verbundenen Leiden frei werden und schon in diesem Leben Nektar genießen.“ (Bhagavad-gita 14.20)

 

Identifiziert sich jemand nämlich mit seinem materiellen Körper, so leidet er, wenn sein Körper nicht ganz so schön, stark oder gesund ist, wie er es sich wünscht. Hat eine Seele aber ein transzendentales Bewusstsein, und versteht, dass sie nicht dieser Körper ist, so kann sie in ihrem spirituellen Bewusstsein ständig gedanklich in Radha und Krischna vertieft sein, und so die Glückseligkeit der spirituellen Welt genießen, selbst wenn ihr gegenwärtiger materieller Körper nicht vollkommen ist. Aus diesem Grund ist es den fortgeschrittensten Gottgeweihten auch gleichgültig, ob sie Krischna auf der Erde, im Himmel, in der Hölle oder in der spirituellen Welt dienen. Sie beten einfach darum, unabhängig von dem Ort, an dem sie sich befinden, ewiglich in dem glückseligen, transzendentalen Dienst zu Krischna beschäftigt zu sein (vide Caitanya Mahaprabhus Shikshastakam 4., Lied Shrila Narottama Thakuras: Hari Haraye Namah Krishna Yadavaya Namah Vers 7, BV Swami Prabhupada in Elevation to Krishna Consciousness Kapitel 4: Knowing Krischna as He is).

 

 

Die Übersetzungen der einzelnen Verse ist der deutschen Ausgabe des Bhagavad-gita Wie sie ist von 1983 entnommen, die von A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada übersetzt wurde (Verlag BBT)