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  Kurzvortrag von Bernd Zikeli am 05.04."15, Rathaus Berlin-Chlbg.

Guten Abend, sehr geehrte Damen und Herren!

 

Geburt, Alter, Krankheit und Tod werden in den vedischen Schriften als die hauptsächlichen materiellen Leiden bezeichnet. Die Veden sind die heiligen Schriften des Hinduismus. Etwa 70% der Hindus verehren Krishna. Seine Inkarnation Vyasadeva hat die Veden vor ca. 5000 Jahren zusammengestellt. Die Veden lehren, dass wir das Bewusstsein in unserem Körper, - die ewige Seele -, sind. Die Seelen existieren schon seit unvordenklichen Zeiten und werden auch immer existieren. Die Seele kann nicht getötet werden.

Hierzu zwei Verse, 2.13 und 2.20, aus dem Bhagavad-gita, in dem Krishna zu seinem innigen Freund und Geweihten Arjuna spricht:

 

So wie die verkörperte Seele in diesem Körper fortgesetzt von Knabenzeit zu Jugend und zu Alter wandert, so geht die Seele beim Tod in ähnlicher Weise in einen anderen Körper ein. Eine selbstverwirklichte Seele ist durch solch einen Wechsel nicht verwirrt.“

 

Für die Seele gibt es weder Geburt noch Tod. Auch hört sie, da sie einmal war, niemals auf zu sein. Sie ist ungeboren, ewig, immerwährend, unsterblich und urerst. Sie wird nicht getötet, wenn der Körper erschlagen wird.

 

Nur der materielle Körper, den wir auf Grund unserer Handlungen und Wünsche der letzten Leben bekommen haben, ist den vier materiellen Leiden Geburt, Alter, Krankheit und Tod unterworfen. Jedem dessen Körper stirbt, ist eine neue Geburt in einem neuen Körper gewiss. Wir entwickeln also im Lauf unseres jetzigen Lebens, durch unsere Handlungen und Wünsche schon unseren nächsten Körper. Die Veden, insbesondere der Bhagavad-gita, zu Deutsch der Gesang Gottes, der von Krishna, dem höchsten Herrn, gesprochen wurde, lassen uns wissen, dass jedes Lebewesen in der materiellen Welt diesen vier Leiden von Geburt, Alter, Krankheit und Tod unterworfen ist. Sei es, dass die Seele sich in einem Pflanzenkörper, Tierkörper, Menschenkörper oder dem Körper eines Bewohners der höheren Planeten befindet, sie alle müssen den Körper irgendwann wegen Alter und Krankheit wieder verlassen.

Dazu der Vers 2.22 aus dem Bhagavad-gita:

 

 „Wie ein Mensch alte Kleider ablegt und neue anzieht, so gibt die Seele alt und unbrauchbar gewordene Körper auf und nimmt neue materielle Körper an.“

 

Ein Gott zugewandter Mensch, so die Lehre Krishnas in dem Bhagavad-gita, kann, wenn er geläutert ist und Gott mit Liebe dient und ihn verehrt, das ewige Reich Gottes erreichen.Er sagt dazu im Bhagavad-gita15.6:

 

Dieses Mein Reich wird weder von der Sonne noch vom Mond, noch von Elektrizität erleuchtet. Wer es erreicht, kehrt nie wieder in die materielle Welt zurück.“

 

In diesem Reich Gottes gibt es diese vier materiellen Leiden der Geburt, des Alters, der Krankheit und des Todes nicht mehr. Die materiellen Leiden Geburt, Alter, Krankheit und Tod können durch Selbsterkenntnis überwunden werden. Diese Selbsterkenntnis bedeutet sich selbst als Seele zu erkennen, als von Gott abhängiges Wesen, das seiner Natur nach dazu gedacht ist, Gott zu dienen. Die materielle Welt gilt nur als ein Ort, an dem die Seelen in scheinbarer Abwesenheit von Krishna versuchen selbst zu herrschen und zu genießen. Die Veden raten uns aber unsere von Gott gewährte Unabhängigkeit nicht zu missbrauchen, sondern unser Glück in dem Dienst zu ihm zu finden. Wie die Seele sich in dem materiellen Dasein verstrickt, beschreibt Krishna in den Versen 2.62-68 und 2.70-72:

 

Beim Betrachten der Sinnesobjekte entwickelt der Mensch Anhaftung an sie; aus solcher Anhaftung entwickelt sich Lust, und aus Lust geht Zorn hervor.

 

Aus Zorn entsteht Täuschung, und der Täuschung folgt die Verwirrung der Erinnerung. Wenn die Erinnerung verwirrt ist, geht die Intelligenz verloren, und wenn die Intelligenz verloren ist, fällt man wieder in den materiellen Sumpf zurück.

 

Wer seine Sinne meistern kann, indem er den regulierenden Prinzipien der Freiheit folgt, kann die volle Barmherzigkeit des Herrn erlangen und so von aller Anhaftung und Abneigung frei werden.

 

Für jemand, der so im göttlichen Bewusstsein gründet, existieren die dreifachen Leiden des materiellen Daseins nicht länger, und in einem solch glücklichen Zustand wird seine Intelligenz sehr bald stetig.

 

Wer nicht im transzendentalen Bewusstsein ist, kann weder einen beherrschten Geist noch stetige Intelligenz besitzen, ohne die keine Möglichkeit zum Frieden besteht. Und wie kann es Glück ohne Frieden geben?

 

Gleich einem Boot auf dem Wasser, das von einem Sturm hinweggerissen wird, kann die Intelligenz des Menschen schon von einem der Sinne davongetragen werden, auf den der Geist sich richtet.

 

Daher, o Starkarmiger [Arjuna], verfügt jemand, dessen Sinne von ihren Objekte zurückgezogen sind, über stetige Intelligenz.

 

[…]

 

Jemand, der alle Wünsche nach Sinnenbefriedigung aufgegeben hat, der frei von Wünschen ist, allen Anspruch auf Besitz aufgegeben hat und frei von falschem Ego ist - er allein kann wirklichen Frieden erlangen.

 

Das ist der Weg des spirituellen und gottgefälligen Lebens. Nachdem man es erreicht hat, ist man nicht mehr verwirrt. Ist man selbst zur Stunde des Todes in diesem Bewusstsein verankert, kann man in das Königreich Gottes eintreten.“

 

Zu Ende dieser transzendentalen Konversation zwischen dem höchsten Herrn Krishna und seinem Geweihten Arjuna, sagt Krishna, wie man ihn erreichen kann:

 

Denke ständig an Mich, und werde Mein Geweihter. Verehre Mich, und bringe Mir deine Ehrerbietungen dar. Auf diese Weise wirst du ohne Fehl zu Mir kommen. Ich verspreche dir dies, weil du Mein inniger Freund bist.

 

Gib alle Arten von Religion auf, und ergib dich einfach Mir. Ich werde dich von allen sündhaften Reaktionen befreien. Fürchte dich nicht.“ (Bh.-g. 18.65f)

 

 Quelle: Bhaktivedanta Swami Prabhupada, A.C.: Bhagavad-Gita Wie sie ist, Verlag: BBT 

 

 

 

 

Kurzvortrag am 28.01.2016 in Berlin von Bernd Zikeli:

Warum Konflikte in der religiösen Welt immer noch andauern, obwohl alle religiösen Schriften den Frieden bezwecken

 

 

Konflikte in der religiösen Welt dauern an, weil manche Anhänger eines bestimmten Glaubens oft jeden, der einem anderen Glauben zugehört, als einen Ungläubigen ansehen und den Kampf gegen solche Angehörige einer anderen Religion als gerechten Kampf gegen einen falschen Glauben ansehen. Manche, oft fundamentalistische, Angehörige der aus dem Nahen Osten stammenden Religionen, also des Judentums, des Christentums und des Islams haben sich dadurch gekennzeichnet, dass sie kriegerische Eroberungen vorgenommen haben, die sie mit der Mission rechtfertigten, die ihnen Gott nach ihren Vorstellungen und nach ihrer Interpretation ihrer Schriften aufgetragen hatte.

Heute gibt es eine beträchtliche Zahl an Fundamentalisten, die einen Messias durch Krieg zu seinem Erscheinen auf der Erde bringen möchten.

Die gewaltsame Landnahme Palästinas wird bis heute von den Juden mit dem Verweis auf die Thora geführt, die den Israeliten dieses Land versprochen hätte. Der Islam wurde teils kriegerisch verbreitet, weil der Koran, wenn man diese Stellen wörtlich nimmt, gebietet, dass man den Glauben mit Feuer und Schwert verbreitet und Ungläubige töten soll. Christliche Konquistadores sahen die oft tödliche Ausbeutung von Indianern als gerechte Begleiterscheinung ihrer Glaubensverbreitung. Katholische Christen und protestantische Christen bekämpften sich blutig in der Zeit nach der Reformation, weil sie die Gegenseite als vom Satan verführte Ungläubige oder Häretiker ansahen. Die Vedische Kultur wurde hingegen in aller Regel friedlich verbreitet.

Solange es nicht zu einem einheitlichen Gottesglauben auf der Welt kommt, scheint es kaum möglich Glaubenskriege zu verhindern. Ich erlaube mir, von meinen eigenen Erfahrungen zu sprechen: Schon früh in meinem Leben habe ich mir über die verschiedenen Religionen Gedanken gemacht. Ich besuchte verschiedene christliche Kirchen, eine Synagoge, las ein wenig über den Islam, den Buddhismus und Schamanismus, konnte mich aber in keiner dieser Glaubensrichtungen richtig zuhause fühlen. Erst als ich während meines Studiums anfing, die Vedischen Schriften zu lesen, stellte ich fest, dass ich es dabei mit den ältesten religiösen Schriften der Welt zu tun hatte, deren Theologie und Philosophie mich überzeugten. Alles was ich an Gutem in anderen Religionen kennengelernt hatte, war in den Veden vereint: Der Glaube an Reinkarnation, also die Wiedergeburt der Seele in neuen Körpern, ist eine Grundlage der vedischen Lehren. Dieser Glaube an Reinkarnation war den Urchristen schon bekannt, - man denke hier bspw. an Origines von Alexandria. Selbst eine beträchtliche Zahl von heutigen Christen, deren Kirchen die Reinkarnationslehre offiziell nicht lehren, glauben an die Reinkarnation. Auch im Islam glauben die Aleviten an die Reinkarnationslehre. Im Buddhismus, der eine Abspaltung vom vedischen System darstellt, ist die Reinkarnationslehre übernommen worden. In der Antike war der Reinkarnationsglaube nicht ungewöhnlich. Namhafte Vertreter waren beispielsweise Platon und Pythagoras. In der jüngeren Geschichte Göthe.

Es gibt viele Halbgötter, wie sie in oft sehr verzerrter und mangelhafter Form von den Griechen und Römern verehrt wurden. Doch diese Halbgötter beziehen laut den Vedischen Schriften ihre Kräfte letztlich vom höchsten Herrn, Krischna, der sich im Bhagavad-Gita selbst beschreibt.

Das unpersönliche Absolute, das von den Buddhisten als Nirvana bezeichnet wird, wird in den Veden leicht abgeändert als brahmajyoti beschrieben. Nach diesem unpersönlichen Absoluten streben diejenigen Seelen, die nach den Verstrickungen im materiellen Dasein endlich Frieden erlangen wollen. Sie gehen als Seele in dieses unpersönliche Absolute ein und erlangen Frieden, der als eine Art angenehmer Schlaf beschrieben werden kann. Der Drang nach Aktivität bringt viele allerdings zurück in die materielle Welt, in der ihnen Gott durch die Vedischen Schriften nahelegt, Ihn zu verehren und Sein transzendentales, friedvolles Reich zu erlangen oder Ihm in spiritueller Glückseligkeit Leben für Leben in dieser Welt zu dienen. Jemand, der die Vedische Philosophie und Theologie versteht erlangt inneren Frieden und kann auch andere zu diesem Frieden führen.

Dass Gott im Herzen aller Lebewesen ist, wie es das Christentum lehrt, lehrte Krischna ursprünglich im Bhagavad-Gita, in dem er die Form Gottes im Herzen als parama-atma bezeichnete.

Und Monotheismus, also die Lehre, dass es einen einzigen höchsten Herrn gibt, ist die Standardlehre der bekanntesten und auch beliebtesten Schriften des Hinduismus, namentlich Mahabharata, Ramayana und Bhagavata Purana.

 

Ich bin nicht als Hindu oder Hare-Krischna aufgewachsen, sondern habe den Bhagavad-Gita und die anderen Vedischen Schriften akzeptiert, weil sie mich nach meiner Überzeugung in vollständigerer und reineren Form Gott näher bringen, als andere religiöse Schriften.

Somit kann ich letztlich aus meiner persönlichen Erfahrung nur empfehlen, dass man sich mit den Veden beschäftigt und ihnen folgt und somit seinen Frieden findet, indem man Krischna und seinen reinen Geweihten dient und sie verehrt. Eine Person, die inneren Frieden erlangt hat, strahlt diesen Frieden auch nach Außen hin aus und möchte andere auch auf den Pfad des Friedens bringen.

Die von Krischna für diese Zeitalter empfohlene Methode sich zu läutern und ihn zu verwirklichen ist das Singen und Rezitieren seiner heiligen Namen. Deshalb rezitieren und singen die Hare-Krischnas den Hare-Krischna Mantra, der aus drei Namen Gottes besteht. Dazu wird niemand gezwungen, und schon gar nicht mit Waffengewalt. Man empfiehlt es lediglich jedem, den göttlichen Pfad zu beschreiten, wie er im Bhagavad-Gita dargelegt ist und Krischnas heilige Namen zu rezitieren oder zu singen.

In den Veden wird immer wieder von Regeln und Gesetzen für die Angehörigen der Soldatenkaste gesprochen, diese sogenannten dharmashastras gehören allerdings zum karmakanda-Teil der Veden, der hauptsächlich das materielle Leben reguliert. Darüber hinaus gibt es den jnanakanda. Im jnanakanda wird der Seele der Weg gezeigt, wie sie die Ursachen für materielles Leid überwinden kann, namentlich Machtsucht, Gier nach materiellem Reichtum und falscher Identifikation mit dem materiellen Körper. Hat die Seele einmal das materielle Dasein transzendiert, wird sie durch den upasanakanda auf den Pfad der Liebe und Hingabe zu Krischna gewiesen. Diese Liebe und Hingabe zu Krischna kann man durch das Rezitieren und Singen der heiligen Namen Krischnas erreichen.

 

Man muss die Wahrheit verstehen und sollte nicht ohne Wissen handeln. Dazu kann gehören, dass man selbst seinen derzeitigen Glauben hinterfragt und nach Höherem sucht, so, wie ich in meiner Bescheidenheit überzeugt bin es getan zu haben. Zumindest muss man die Grundmerkmale des Fundamentalismus aufgeben, nämlich zu einseitige Interpretation der Schriften, zu wörtliche Auslegung der Schriften und zu geringe Toleranz gegenüber andersdenkenden.

Das Andauern religiöser Konflikte führe ich also auf das Festhalten an einem unvollständigen, unkorrekten oder fanatischen Gottesbild und Daseinsverständnis zurück. Für die Herstellung des Friedens in dieser Welt kann ich also nur das aufrichtige Streben nach der ganzen Wahrheit empfehlen ohne bei Zwischenstationen stehen zu bleiben. Auch wenn eine Zwischenstation unsere derzeitige Religion sein mag. Man kann natürlich nicht von heute auf morgen all seine Überzeugungen über Bord werfen, da man dadurch psychisch sehr instabil werden kann und zusammenbrechen kann. Aber man kann versuchen neues auszuprobieren, wie zum Beispiel vorbehaltlos den Hare-Krishna Mantra zu singen und zu rezitieren und dann zu beobachten, welche Wirkung sich einstellt. Ich selbst habe es ausprobiert und immer wieder die reinigende Wirkung des Hare-Krischna Mantras erfahren. Gepaart mit dem Lesen der Vedischen Schriften und darin beschriebener Praktiken, konnte ich spirituell fortschreiten und Gott mehr und mehr verstehen, wenngleich ich noch lange keine Vollkommenheit erreicht habe.

Einen sehr guten Anfang würde ein Wahrheitssuchender machen, indem er die Vedischen Schriften liest, insbesondere den bereits erwähnten Bhagavad-Gita (zu Deutsch Der Gesang Gottes). Ich schätze die Bücher des Gründers der Hare-Krischna-Bewegung im Westen A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupadas und kann sie nur zur Lektüre empfehlen. Sie sind beispielsweise unter www.prabhupada.de kostenlos herunterzuladen.

 

 Quelle: Bhaktivedanta Swami Prabhupada, A.C.: Bhagavad-Gita Wie sie ist, Verlag: BBT

 

 

Wie begründen die Religionen der Welt, dass ihre Gläubigen ihren Glauben durch heilige Schriften aufbauen können?

Kurzvortrag n Berlin am 26.2.2016

 

Die Vedischen Schriften wurden, nach eigenen Angaben, vor ca. 5000 Jahren niedergeschrieben, da mit dem damaligen Eintreten des gegenwärtigen Zeitalters des Streites und der Heuchelei, das Erinnerungsvermögen der Menschen anfing stark nachzulassen und es somit nötig wurde, das vedische Wissen niederzuschreiben. Vorher wurden die Veden, die ewig sind, mündlich überliefert. Der Verfasser der Veden ist die literarische Inkarnation Krishnas namens Veda Vyasadeva.

Da die vedische Literatur ursprünglich von Krishna selbst stammt, gilt sie für die Gläubigen auch naturgemäß als der Leitfaden für ihr spirituelles Leben. Allerdings geben die Vedischen Schriften auch sehr viele Anweisungen für das alltägliche Leben. Somit regulieren sie sehr viele Bereiche des Lebens. Steht man als Gläubiger vor schwierigen Entscheidungen oder vor Fragen, die in der vedischen Literatur nicht eindeutig geklärt sind, so empfehlen die Veden selbst, einen Brahmanen, eine heilige Person oder am besten einen Guru zu fragen. Ihr Rat sollte angenommen werden.

Die Veden sind in der Sanskritsprache verfasst, manche Werke auch in Bengali. Sanskrit war keine Umgangssprache für jedermann und ist es auch heute nicht. Ein Analphabet war immer schon auf die Führung durch Schriftkundige angewiesen. Unter diesen Schriftkundigen sind die Heiligen Gurus die Herausragendsten. Aber auch ihre Autorität beruht darauf, dass ihre Lehren im Einklang mit den Vedischen Schriften stehen.

Die Veden sind sehr umfangreich. Manche Schriften sind nur für diejenigen Menschen gedacht, die materiellen Gewinn anstreben. Ihnen empfiehlt der karmakanda-Teil der Veden, Halbgötter zu verehren und sodurch von den Halbgöttern materielle Segnungen zu erlangen. Es gibt Vedische Schriften, die den Halbgott Brahma, den Halbgott Shiva oder Vishnu bzw. Krischna als den Höchsten Herrn bezeichnen. Dies hat damit zu tun, dass Menschen sich auf unterschiedlichen geistigen Entwicklungsstufen befinden und ihnen deshalb auch eine entsprechende Gottheit als höchste verehrugswürdige Persönlichkeit empfohlen wird. Schon in diesem oder im nächste Leben können sie aber zu höherer Erkenntnis fortschreiten, bis sie zur Verehrung Radha und Krishnas emporgehoben werden. Nicht alles in den Veden ist wörtlich zu nehmen, da Anweisungen in den Veden auch gemäß Zeit, Ort und Umständen angewendet werden müssen. Darüber hinaus gelten bestimmte Anweisungen in den Veden auch nur für Menschen, die sich auf einer bestimmten Erkenntnisstufe befinden. Deshalb ist eine Führung auf dem spirituellen Pfad durch fortgeschrittene Gottgeweihte oder Gurus sehr hilfreich.

Für das gegenwärtige Zeitalter, das vor ca. 5000 Jahren begann, empfehlen die Veden als effektivstes Mittel das Rezitieren und Singen der Heiligen Namen Gottes. Der Hare-Krishna-Mantra gilt als der geeigneste Mantra hierzu:

 

Hare Krishna Hare Krishna, Krishna Krishna Hare Hare,

Hare Rama Hare Rama, Rama Rama Hare Hare

 

Grundsätzlich empfehlen die Veden einfach es auszuprobieren, den Anweisungen der Veden zu folgen. Das Befolgen dieser Anweisungen wird bei dem Wahrheitssuchenden das Gefühl und die Überzeugung hervorrufen, dass er spirituell fortschreitet. Das Befolgen der vedischen Anweisungen wird dem Gläubigen schrittweise die Erkenntnis bringen, dass er nicht der materielle Körper ist, sondern eine ewige transzendentale Seele, die ihrer ewigen spirituellen Natur nach ihre beste Entfaltung darin findet, Krishna zu dienen und zu lieben. Durch Befolgen der vedischen Anweisungen erkennt die Seele, dass die Veden ein gut funktionierender Leitfaden sind, aus den Verstrickungen des materiellen Daseins befreit zu werden. Die vedischen Schriften, die für jede Stufe des spirituellen Fortschritts weiterführende Anweisungen geben, begleiten den Gläubigen stetig bis zu dem Punkt, an dem er eine erlöste und krishnaergebene Seele ist, die in dem liebenden Dienst zu ihm reine transzendentale Freude erfährt. Es hat wenig Sinn, die Veden zu lesen und zu studieren, ohne es praktisch auszuprobieren, welche Wirkung das Befolgen ihrer Anweisungen hat. Man kann eine Mango betrachten und lange darüber nachdenken, wie sie schmecken könnte. Viele Möglichkeiten gehen einem dabei durch den Kopf. Krishna sagt hierzu im Bhagavad-gita 2.41: „… die Intelligenz der Unentschlossenen ist vielverzweigt.“ Doch erst wenn man sie tatsächlich isst, kann man die Freude an ihrem Geschmack erfahren. Ähnlich werden erfahrene Gläubige oder Gurus einem Anfänger auf dem spirituellen Pfad empfehlen, die Veden auch zu befolgen und sie nicht nur zu lesen. Das Studium der Veden und das Ausführen ihrer Anweisungen ist mit gewissen Mühen verbunden, aber es stellt sich letztlich tatsächlich ein positives Resultat ein, wie diejenigen, die diesen Pfad schon länger beschritten haben, bezeugen können.

Der Gläubige sollte also das Befolgen der Anweisungen der Vedischen Schriften ausprobieren, denn dadurch erst stellt er fest, dass es funktioniert und gewinnt somit Vertrauen in die Veden und in den Wert ihrer weiterführenden Anweisungen, die ihm helfen, Krishna zu erreichen. Das gute Verhalten, gute Beispiel und Vorbild reiner Heiliger inspiriert den Wahrheitssuchenden ihnen zu folgen und von ihnen zu lernen, die Anweisungen der Veden zu befolgen. Die reinen Heiligen oder echten Gurus werden solch ernsthaft Suchende die Veden lehren und sie selbst dazu anhalten, die Veden zu studieren. Die Veden ohne die Anleitung eines fortgeschrittenen Gläubigen oder eines echten Gurus zu lernen und vor Allem ihre höchste Schlussfolgerung zu verstehen, kann schwierig sein. Ebenso, wie ein Studium von Fachliteratur ohne einen Professor oder andere Dozenten für einen Anfänger um einiges schwieriger werden kann, als mit ihrer fachkundigen Anleitung.

Gleichzeitig gilt es, sich vor falschen Gurus in Acht zu nehmen, da es sehr geschickte Täuscher gibt, die die Gläubigen mit ihrer Schauspielerei fehlleiten und ausnützen können. Zugleich sollte man verstehen, dass es auch Neider und Feinde der Gläubigen gibt, die Gurus, die sich noch nicht auf der höchsten Ebene befinden, herunterziehen und zu Fall bringen wollen. Die Fallen in der materiellen Welt sind zahlreich, doch ein echter Gläubiger kennzeichnet sich dadurch, dass er nach einem Fall nicht unten liegen bleibt, sondern sich erhebt und den transzendentalen Pfad weiter beschreitet.

Zu Schluss noch zwei Verse, die einem verdeutlichen, dass es sehr hilft, die Schriften mit Glauben an den Höchsten Herrn und seinen Vertreter zu studieren, um das höchste Ziel, Liebe zu Krishna, zu erreichen:

 

yasya deve para bhaktir

yatha deve tatha gurau

tasyaite kathita hy arthah

prakashante mahatmanah

 

Jenen großen Seelen, die uneingeschränkten Glauben an den Herrn und den spirituellen Meister haben, wird die ganze Bedeutung des vedischen Wissens von selbst offenbart. (Shvetashvatara Upanishad 6.23)

 

bhaktya mam abhijanati

yavan yash casmi tattvatah

tato mam tattvato jñatva

vishate tad-anantaram

 

Nur durch hingebungsvollen Dienst kann man die Höchste Persönlichkeit so verstehen, wie Sie ist. Und wenn man sich durch solche Hingabe des Höchsten Herrn völlig bewußt ist, kann man in das Königreich Gottes eintreten. (Bhagavad-gita 18.55)

Quelle: Bhaktivedanta Swami Prabhupada, A.C.: Bhagavad-Gita Wie sie ist, Verlag: BBT 

 

 

Kurzvortrag am 13.6.“16 von Bernd Zikeli

 

Thema: Was ist Geist und Fleisch (Körper) anhand der Schriften?

 

Fragen:

1) Welcher ist wichtiger, unser innerer Mensch oder unser äußerer Mensch

2) Auf welche Weise kann man seinen inneren Menschen wachsen lassen?

 

Der Körper, den wir haben, ist das Resultat unserer Handlungen und Wünsche der letzten Leben und auch das Resultat unseres Bewusstseinszustandes zum Zeitpunkt des Todes. Dieses Bewusstsein haben wir im Laufe unserer letzten Leben entwickelt. Die Bewusstseinsentwicklung ist natürlich von unseren Taten und Wünschen, sowie von der Gemeinschaft, von der wir uns prägen lassen, abhängig. Wichtig ist es aus Sicht der Veden deshalb, Gemeinschaft mit gottgeweihten Menschen zu pflegen und uns im Geiste immer an Krischna zu erinnern. So können wir ihn erreichen, wenn wir zum Zeitpunkt des Todes an ihn denken (Bhagavad-gita 8.8):

 

Wer über die Höchste Persönlichkeit Gottes meditiert, indem er seinen Geist ständig darin übt, sich an Mich zu erinnern, und von diesem Pfad nicht abweicht [...] wird Mich ohne Zweifel erreichen.

 

Die Veden beschreiben die Seele und nicht den Geist als das wahre Selbst. In der Katha Upanishad (1.3.3f) wird die folgende Allegorie gegeben, um die Unterschiede zwischen der Seele und den verschiedenen Körperkomponenten zu verdeutlichen:

 

Das Individuum [(die Seele)] ist der Reisende im Wagen des materiellen Körpers und die Intelligenz ist der Fahrer. Der Geist ist der Zügel, und die Sinne sind die Pferde. Das Selbstist in Verbindung mit dem Geist und den Sinnen entweder der Genießende oder der Leidende. [...]

 

Ein Unterschied zwischen dem „inneren“ und „äußeren Menschen“ mag es in dem Sinne geben, dass jemand beispielsweise am Arbeitsplatz, um Geld zu verdienen oder in gesellschaftlichen Gruppen, um Anerkennung zu finden, eine bestimmte äußere Rolle einnimmt, die aber seinen inneren Überzeugungen und seiner Natur nicht entspricht. Derartige Konflikte und Unterschiede treten in einer gottlosen Gesellschaft auf, in der das Leben nicht nach den Prinzipien des göttlichen varnaashrama-dharmasaufgebaut ist. Das varnaashrama-System (Bhagavad-gita 4.13), also das vedische Gesellschaftssystem, in dem man seinen körper- und geistgemäßen Fähigkeiten handelt, - bei gleichzeitiger Verehrung Krischnas -, ist dazu gedacht, die Menschen schrittweise zu ihrem eigenen Selbst, nämlich dem Bewusstsein ein Diener Gottes zu sein, zu leiten (Bhagavad-gita 18.41ff). Dieser Weg kann individuumsabhängig in einem Leben oder erst nach mehreren Leben zum Erfolg führen (Bhagavad-gita 9.32).

 

Der „innere Mensch“ wächst also, indem die Seele immer mehr nach ihrem eigentlichen göttlichen Bewusstsein handelt und Gleichmut, - bei gleichzeitigem Einhalten seiner weltlichen Pflichten -, gegenüber weltlichen Dingen entwickelt (Bhagavad-gita 4.28; siehe auch 3.26 u. 3.30). So erweckt sie wieder ihr natürliches Bewusstsein, ein ewiger Diener Krischnas zu sein und beschäftigt sich in dem transzendentalen Dienst zu ihm, der keine materiellen Reaktionen und somit auch keinen neuen materiellen Körper, nach sich zieht.

Im Bhagavad-gita 2.17 sagt Krischna: „Wisse, das, was den gesamten Körper durchdringt, ist unzerstörbar. Niemand kann die unvergängliche Seele töten.“ Die Seele ist immer das wahre Selbst. Wir haben keine Seele, sondern wir sind eine Seele. Deshalb kann es auch keinen wirklichen „äußeren“ oder „inneren Menschen“ geben - höchstens in unserer Wahrnehmung. Doch gerade dies ist das Ziel: unsere Wahrnehmung mit der spirituellen Realität in Einklang zu bringen und zu verstehen, dass wir nicht der materielle Körper sind.

Nachdem der Wahrheitssuchende oder der Yogi das materielle Dasein transzendiert hat und somit Befreiung erlangt hat, gibt er nicht automatisch seinen Körper auf, sondern lernt, sich gemäß dem Bhagavad-gita in Krischnas Dienst zu beschäftigen. Geht er nach Verlassen eines materiellen Körpers einmal in das transzendentale Reich Krischnas ein, so entfaltet sich dort sein ewiger spiritueller Körper, der die wahre Natur der Seele ist. Gemäß der individuellen Eigenart jeder Seele kann dieser spirituelle Körper eine menschenähnliche Gestalt haben, die eines Tieres, oder einer Pflanze. In die spirituelle Welt gelangen nur Seelen, die alle Formen von materiellen Anhaftungen und falschen Identifikationen, wie Körper, Geist und Intelligenz aufgegeben haben und eine dienende Haltung Krischna gegenüber haben.

Die subtilste Bedeckung der Seele ist das ahamkaraoder falsche Ego (Bhagavad-gita 3.27, 7.4 u. 2.71), das uns denken lässt, wir seien der Handelnde. Das falsche Ego wurde von unserem Wunsch unabhängig von Gott zu genießen geschaffen. In Wahrheit führt Krischnas materielle Natur alle Handlungen aus, wir sind lediglich die Entscheidungsträger. Kooperieren wir mit Krischnas Plan und treffen Entscheidungen im Einklang mit Krischnas Anweisungen in den Schriften, oder den Anweisungen von einem echten Repräsentanten Krischnas, also eines Gurus, so löst sich das falsche Ego auf und wir kommen auf die Ebene spirituellen Handelns. Es gilt also, bei unseren Entscheidungen unsere von Krischna gegebene Entscheidungsfreiheit nicht zu missbrauchen, sondern Krischnas Willen zu folgen.

Doch von Sinneseindrücken werden wir, wenn wir unseren Geist nicht kontrollieren, immer wieder zu materiellen Handlungen verleitet. Hierzu ein paar Verse in diesem Zusammenhang:

 

Die Lebewesen in der materiellen Welt sind Meine ewigen fragmentarischen Teile. Weil sie ein bedingtes Leben führen, kämpfen Sie sehr schwer mit den sechs Sinnen, zu denen auch der Geist zählt. (Bhagavad-gita 15.7)

 

Wenn ein Lebewesen einen neuen grobstofflichen Körper annimmt, erhält es eine bestimmte Art von Ohren, [Augen,] Zunge, Nase und Tastsinn, die um den Geist gruppiert sind. Auf diese Weise genießt es ein bestimmtes Sortiment von Sinnesobjekten. (Bhagavad-gita 15.9)

 

 Die Sinne sind so stark und ungestüm, o Arjuna, daß sie sogar den Geist eines Menschen hinwegreißen, der Unterscheidungsvermögen besitzt und bemüht ist, sie zu beherrschen. (Bhagavad-gita 2.60)

 

[…] es ist ohne Zweifel sehr schwierig, den ruhelosen Geist zu zügeln, doch durch ständige Übung und durch Loslösung ist dies möglich. (Bhagavad-gita 6.35)

 

Wer jedoch seine Sinne durch den Geist beherrscht und seine aktiven Organe, ohne anzuhaften, im hingebungsvollen Dienen beschäftigt, steht auf einer weitaus höheren Stufe. (Bhagavad-gita 3.7)

 

Wer Mich als den Höchsten Herrn, als das beherrschende Prinzip der materiellen Manifestation kennt, und weiß, daß Ich es bin, der alle Halbgötter erhält und alle Opfer ermöglicht, kann sich mit stetigem Geist selbst zur Stunde des Todes an Mich erinnern. (Bhagavad-gita 7.30)

 

Daher, o Arjuna, solltest du immer an Mich als Krischna denken und zur selben Zeit deine vorgeschriebene Pflicht erfüllen und kämpfen. Wenn du deine Aktivitäten Mir weihst und deinen Geist und deine Intelligenz fest auf Mich richtest, wirst du ohne Zweifel zu Mir gelangen. (Bhagavad-gita 8.7)

 

Während sich der Transzendentalist somit darin übt, Körper, Geist und Aktivitäten zu kontrollieren, beendet er das materielle Dasein und geht in das Königreich Gottes [das Reich Krishnas] ein. (Bhagavad-gita 6.15)

 

[...]wenn du deine Gedanken nicht ohne abzuweichen auf Mich richten kannst, dann folge den regulierenden Prinzipien des bhakti-yoga [(hingebungsvoller Dienst zu Krischna)]. So wirst du das Verlangen entwickeln, zu Mir zu gelangen. (Bhagavad-gita 12.9)

 

Für diejenigen, deren Geist am unmanifestierten, unpersönlichen Aspekt des Höchsten haftet, ist es sehr schwierig fortzuschreiten. Auf diesem Pfad Fortschritt zu machen, fällt allen verkörperten Seelen schwer. (Bhagavad-gita 12.5)

 

O Sohn Prithas, wer Mich verehrt, alle Aktivitäten Mir weiht und Mir völlig hingegeben ist, wer sich im hingebungsvollen Dienen beschäftigt, ständig über Mich meditiert und seinen Geist auf Mich gerichtet hat - ihn befreie Ich sehr schnell aus dem Ozean von Geburt und Tod. (Bhagavad-gita 12.6f)

 

 Versenke dich immer in Gedanken an Mich, die Höchste Persönlichkeit Gottes, und beschäftige all deine Intelligenz in Mir. So wirst du immer, frei von Zweifeln, in Mir leben. (Bhagavad-gita 12.8)

 

Denke ständig an Mich und werde Mein Geweihter. Verehre mich und bringe Mir deine Ehrerbietungen dar. Auf diese Weise wirst du ohne Fehl zu Mir kommen. (Bhagavad-gita 18.65)

 

 

Quelle: Bhaktivedanta Swami Prabhupada, A.C.: Bhagavad-Gita Wie sie ist, Verlag: BBT 1974